Politics /

Das Bild der Moslems in polnischen Medien. Eine Analyse ausgewählter Beispiele

Łukasz Bertram, Adam Puchejda, Karolina Wigura · 31 May 2017

In den letzten Jahren werden Moslems in Polen immer häufiger Opfer von Gewalt.[1] Im Jahr 2016 betrafen 250 Gerichtsverfahren, mithin fast 30 Prozent aller rassistisch oder ausländerfeindlich motivierten Verfahren, Moslems oder Personen, die von den Tätern mit Bekennern des Islams gleichgesetzt wurden. Den Staatsanwaltschaften wurden insbesondere zahlreiche Internetpublikationen angezeigt, deren Verfasser Flüchtlinge als „Dreckschweine“ und „Krankheitsüberträger“ bezeichneten oder dazu aufriefen, „in Auschwitz die Öfen anzuheizen“.

Meinungsumfragen zufolge kommt die Mehrheit der Polen mit Moslems hauptsächlich durch die Medien in Berührung. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstitutes CBOS hatten lediglich 12 Prozent der Befragten persönlichen Kontakt mit Bekennern des Islams oder Einwohnern der von den Umfrageteilnehmern für moslemisch gehaltenen Länder (vornehmlich arabische Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas). Dabei ist hervorzuheben, dass Araber zu denjenigen ethnischen Gruppen gehören, die von den Polen am wenigsten gemocht werden. Eine Abneigung gegen sie hegen 67 Prozent der Befragten, das sind 21 Prozentpunkte mehr als in der entsprechenden Untersuchung vier Jahre zuvor. Sympathie für Araber bekunden heute lediglich 8 Prozent der Befragten. Besonders bedeutsam im Zusammenhang mit den im vorliegenden Bericht dargestellten Schlussfolgerungen ist der hohe Prozentsatz derer, die eine Aufnahme von Flüchtlingen aus den arabischen Ländern ablehnen (57 %).

„Die Vorurteile, zumal gegen die moslemische Gemeinschaft, nehmen zu. Im Schnitt alle drei, vier Tage kommt es in unserem Land zu Gewaltakten“, eröffnete der Bürgerrechtsbeauftragte Adam Bodnar ein Treffen mit Vertretern der moslemischen Gemeinschaft in Polen am 21. Juni 2016.[2] Der vorliegende Bericht, den die Arbeitsgruppe des „Kultura Liberalna“-Observatoriums der Öffentlichen Debatte im Auftrag des Büros des Bürgerrechtsbeauftragten erstellt hat, ist auch Bestandteil der Diskussion über die Phänomene des Brandmarkens, Stigmatisierens und Diskriminierens von Vertretern der moslemischen Gemeinschaft in Polen. Die Untersuchungen hatten zum Ziel, das sprachliche Bild der Vertreter dieser Gemeinschaft zu rekonstruieren. Unsere Ausgangshypothese lautete dabei, dass dieses Bild wesentlich beeinflusst wird von Vorstellungen zur moslemischen Gemeinschaft in anderen europäischen Ländern sowie zu Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Afrika, wie sie sowohl in polnischen als auch ausländischen Medien vorkommen und im Zusammenhang stehen mit der sog. Flüchtlingskrise, die ihren Höhepunkt in den Jahren 2015 und 2016 erreichte.

Die Dauerbeobachtung sieben ausgewählter Presseorgane (Tageszeitungen „Fakt“, „Gazeta Wyborcza“, „Rzeczpospolita“; Wochenzeitungen „Do Rzeczy“, „Newsweek“, „Polityka“, „wSieci“) und von vier Internetportalen (NaTemat.pl, „Dziennik Opinii“, Niezalezna.pl, Fronda.pl) von September 2015 bis September 2016 erfolgte unter dem Gesichtspunkt, dass wir negative Beispiele der Benennung von Moslems und ihrer Gemeinschaft aufzeigen und analysieren wollten. Wir berücksichtigten auch den Kontext, in dem die moslemische Gemeinschaft insgesamt Erwähnung fand, selbst wenn die verwendeten Wörter keinen negativen oder stigmatisierenden Charakter besaßen.

Untersuchungsergebnisse

In den von uns untersuchten Medien wurde die Figur des Moslems in sehr hohem Grade gleichgesetzt mit der Figur des in die Europäische Union einreisenden Flüchtlings. Dementsprechend wurden Ausdrücke, die nicht synonym sind, gleichbedeutend verwendet. Dabei handelt es sich vor allem um folgende Bezeichnungen: Moslems, Araber, Migranten, Flüchtlinge. Feststellbar war auch ein deutliches Zusammentreffen obiger Begriffe und der Ausdrücke: Terrorismus, Terrorist, Islamist, Fundamentalist usf. Dies geschah häufig ohne gebührende Berücksichtigung des situativen Kontextes und der ethnischen oder religiösen Zusammensetzung von Immigranten- oder Flüchtlingsgruppen. Das derart verwischte Bild der Moslems wurde in vielen Fällen zu einem – in rhetorischer Hinsicht – griffigen Werkzeug in Auseinandersetzungen über völlig andere Fragen, z. B. die Entscheidungsmechanismen der EU (betreffend sog. Aufnahmequoten von Flüchtlingen), das u. a. dazu diente, Leser- oder Wählerschaften zu mobilisieren.

Dieses Phänomen bezeichnen wir als Paketdenken. Dieses beruht darauf, dass, wie Tadeusz Ciecierski schreibt, „Ideen, konkrete Anschauungen, Personen, Institutionen usf. der öffentlichen Sphäre summarisch gedacht werden, ausgehend von der irrigen Annahme, es existiere irgendeine objektive und sachliche Grundlage, Dinge miteinander zu verbinden, die in Wirklichkeit wenig miteinander gemein haben.“[3]

Dieses Denken hat im Falle der Flüchtlingskrise zur Folge, dass Teilnehmer der öffentlichen Diskussion sich vorgefertigter Wortfolgen, Argumentationsmuster und Bildwelten bedienen, in denen verschiedene Elemente sich miteinander verknüpfen und gegenseitige Assoziationen hervorrufen, obwohl keine oder kaum eine Verbindung zwischen ihnen besteht. Diese nennen wir Pakete.

Unsere Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass es ein markantes Paket gibt, und zwar die negative Vorstellung von Moslems als unkontrolliert nach Europa strömende Flüchtlinge oder als bereits in Europa lebende, sich terroristisch radikalisierende Immigranten. Weitere Assoziationen in diesem Paket sind Vorstellungen einer alles überflutenden Welle oder gar eines Einfalls, einer Islamisierung,  eines Zusammenpralls der Zivilisationen. Dieses Paket enthält ebenfalls das Bild eines von der schädlichen Ideologie der Multikulturalität verblendeten, sich selbst umbringenden usw. Europas.

Die Hauptbestandteile dieses Pakets können als Charakteristika für die Unterkapitel in der detaillierten Ergebnisdarstellung dienen. Und zwar:

(1) die Metapher der Welle, der Invasion oder des Einfalls von Flüchtlingen und Immigranten aus mehrheitlich moslemischen Ländern, und die damit verbundene Metapher eines hybriden Krieges oder eines Krieges mit anderen Mitteln: dem Terrorismus oder einem „sexuellen“ und „sozialen“ Dschihad;

(2) die Metapher der sog. Ideologie der Multikulturalität, die für die Beschreibung der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Lage in vielen europäische Ländern wichtig sein und eine Bedrohung für die Souveränitat Polens, christliche Werte und polnische Kulturtraditionen darstellen soll;

(3) die Metapher der „Brutstätten des Dschihad“, d. h. von Immigranten bewohnter Stadtteile, aus denen sich künftige Terroristen rekrutieren;

(4) die Metapher des Zusammenpralls der westlichen Zivilisation mit der Zivilisation des Islams, mit der Flüchtlingskrise 2015-2016 als kritischem Punkt;

(5) die Metapher vom Selbstmord der Eliten oder gar Selbstmord eines Europas, das den oben genannten Bedrohungen nicht die Stirn zu bieten vermag.

Für diese Kurzfassung haben wir uns darauf beschränkt, nur zwei von ihnen darzustellen: die Metaphern der Invasion und der Ideologie der Multikulturalität. Der gesamte Bericht (in polnischer Sprache) ist abrufbar unter:

In den von uns untersuchten Materialien kam das Paket des „positiven Denkens über die Moslems“ kaum vor. Während jedoch die Anhänger des Paketes des „negativen Denkens über die Moslems“ ihre Ansichten begründeten, indem sie sich auf Kategorien wie die Souveränität Polens oder die christlichen Werte beriefen, griffen ihre Kritiker auf einen allgemeineren Katalog europäischer Werte zurück, zu denen sie Toleranz, Menschenrechte, Gleichheit vor dem Gesetz usf. zählten.

Das „negative Paket des Denkens über die Moslems“ herrschte in denjenigen von uns untersuchten Medien vor, die weltanschaulich rechtskonservativ ausgerichtet sind. Einige seiner Bestandteile fanden sich allerdings auch bei linksliberalen Medien wieder. Im Bericht machen wir darauf aufmerksam, dass letztere häufig die Metapher der Flüchtlingswelle oder gar eines -tsunamis verwenden. Zwar besitzen die Ausdrücke „Zustrom“ und „Welle“ sowohl positive als auch negative Kollokationen[4], doch können sie die Flüchtlinge mit einer Überschwemmung, einem ungebändigten Element oder einer Naturkatastrophe assoziieren. In den genannten Medien kam auch die Bezeichnung Dschihadistenbrutstätte vor, die tierische Assoziationen hervorruft und die Ankömmlinge entmenschlicht.

Entscheidend für die Charakterisierung beider Denkweisen war, wo der Gegner des jeweiligen Wertekanons ausgemacht wurde. Das „negative Paket des Denkens über die Moslems“ geht einher mit der Überzeugung, dieser Gegner seien, erstens, ein agressiver Islam und, zweitens, die europäischen Eliten, die versuchen, Polen ihrem Diktat zu unterwerfen. Kritiker dieses Paketes wiederum sehen als Hauptgegner die rechtskonservativen Eliten, die sie gelegentlich mit beleidigenden oder starken Ausdrücken bezeichnen, z. B. als Nazipack (naziolstwo), oder bezichtigen, die Wirklichkeit mit brauner Soße zu übergießen usw.

In der Debatte über die Moslems ließ sich der Mechanismus der Hyperbolisierung beobachten, der darin besteht, dass im Fortgang des Streits neutrale Begriffe durch immer stärker negativ gefärbte ersetzt werden. So verhält es sich beispielsweise mit Bezeichnungen der Flüchtlingskrise, die als Zustrom, Welle, Überschwemmung, Tsunami, Anschlag, Einfall, Invasion, Krieg usw. beschrieben wird. Dies hat Kosequenzen dergestalt, dass Wörter „mitgerissen“ werden, da anfangs neutrale Begriffe, wie Zustrom, letzten Endes mit radikaleren Begriffen gleichgesetzt werden, z. B. Welle, Tsunami usf. Letztlich erschwert dies einen ausgewogenen Diskurs über Moslems erheblich.

1. Die Metapher der Welle, der Invasion, des Krieges

Beispiel:

Titelblatt der Wochenzeitung „Do Rzeczy“ [2015, Nr. 38]: Das Bild einer Menschenmenge, versehen mit der Ankündigung eines Artikels von Rafał Ziemkiewicz mit dem Titel in Großbuchstaben „Das sind Angreifer, keine Flüchtlinge“.

Beispiel:

Titelblatt der Wochenzeitung „wSieci“ [2015, Nr. 37]: Moslems stützen sich auf einen polnischen Grenzbaum, wobei ihre Haltung an eine symbolische Aufnahme aus dem September 1939 denken lässt, die Wehrmachtsoldaten beim Durchbrechen der polnischen Grenze zeigt, online: www.wsieci.pl/numer-37-pmagazine-203.html, Abrufdatum: 20. Dezember 2016.

In den rechtskonservativen Medien waren die Grundkategorien zur Beschreibung der nach Europa kommenden Flüchtlinge Invasion, Eroberung, Einfall, Eindringen usf. Es war auch die Rede von einer Armee (ebenso von einer Horde und Wilden). Charakteristischerweise wurde de facto auch die Gesamtheit der Moslems mit Angreifern gleichgesetzt.

Um den Zustand, in dem sich Europa derzeit befindet, zu beschreiben, wurde der Begriff Krieg verwendet. Dazu wurden auch historische Analogien hergestellt, nicht nur zum Marsch der Roten Armee nach Westen im Jahr 1920, sondern auch zu den Türkenkriegen im 17. Jh.

In diesem Krieg kommen angeblich drei Arten von Waffen zum Einsatz.

1.1. Terrorismus

Beispiel:

Die Syrer sind ein Volk von Anhängern des Terrorismus. Dies ist nicht erst seit gestern so, wegen des Arabischen Frühlings oder des Irakkrieges. Die Syrer sind nicht Opfer der amerikanischen Außenpolitik, des bewaffneten Islams oder anderer beliebter Ausreden. Sie haben den islamischen Terrorismus unterstützt. Millionen von ihnen unterstützen ihn nach wie vor. Sie sind nicht Juden auf der Flucht vor dem Holocaust der Nazis. Sie sind Nazis, die aus dem bombardierten Berlin zu fliehen versuchen.“

[Syryjscy muzułmanie popierają terroryzm (Syrische Moslems unterstützen den Terrorismus), Fronda.pl, 16. Dezember 2015, online: www.fronda.pl/a/syryjscy-muzulmanie-popieraja-terroryzm,62338.html, Abrufdatum: 28. Dezember 2016].

In den gesammelten Texten ist eine Tendenz erkennbar, alle Personen arabischer Herkunft oder Bekenner des Islams gleichzusetzen mit Terroristen, deren Anhängern oder möglichen Rekruten terroristischer Gruppen. Derlei Formulierungen überwogen gegenüber distanzierteren Feststellungen, etwa wenn darauf hingewiesen wurde, dass die riesige Zahl der während der Migrationskrise in die Länder Europas gelangenden Menschen eine Gelegenheit für islamistische Organisationen biete, ihre Mitglieder unter Ausnutzung der verringerten Kontrollmöglichkeiten unter die Flüchtlingsgruppen zu mischen und nach Europa zu entsenden; oder wenn die Befürchtung geäußert wurde, bei den bereits auf dem Kontinent befindlichen Moslems könne es zu wachsender Frustration und Radikalisierung kommen angesichts der Schwierigkeiten, eine so große Zahl neuer Einwohner zu assimilieren.

1.2. „Sexueller Dschihad“

Beispiel:

„Wenn wir die Sache nicht selbst in die Hand (und nicht nur diese) nehmen, werden die Moslems uns besiegen. Und das keineswegs mithilfe des Terrorismus, sondern der Gebärmütter ihrer Frauen“.

[Tomasz Terlikowski, Terlikowski: Papież niezwykle mocno o tym, że Europejczycy sami proszą się o śmierć (Terlikowski: Der Papst findet außergewöhnlich starke Worte dafür, dass die Europäer ihren Tod selbst heraufbeschwören), Fronda.pl, 15. September 2015, online: www.fronda.pl/a/terlikowski-papiez-niezwykle-mocno-o-tym-ze-europejczycy-sami-prosza-sie-o-smierc,56948.html, Abrufdatum: 21. Dezember 2016].

Zur Menge der Beschreibungen, die am häufigsten für Flüchtlinge/Moslems benutzt werden, gehören solche, die mit ihrer Sexualität zusammenhängen. In dieser Erzählweise sind männliche Anhänger des Islams Vergewaltiger, die nicht nur Verbrechen an Frauen begehen, sondern dies gemäß den Regeln ihres Glaubens tun. Mehr noch, es geht hier nicht nur um das Unrecht, das ein Individuum dem anderen antut. Erzwungener Sex wird als Waffe angesehen: als Zeugnis der Herrschaft und der Vegrößerung des Besitzstandes der eigenen Gruppe. Die Sexualität der moslemischen Frauen wiederum wird vor allem mit deren Fruchtbarkeit verknüpft: dem Instrument zur Erlangung eines demografischen Übergewichts.

1.3. „Sozialer Dschihad“

Beispiel:

[Titel] „Der soziale Dschihad kommt auf uns zu. Großer Ansturm auf Sozialhilfe“

[Grzegorz Wierzchołowski, Czeka nas socjalny dżihad. Wielki marsz po zasiłki (Der soziale Dschihad kommt auf uns zu. Großer Ansturm auf Sozialhilfe), Niezalezna.pl, gemäß: „Gazeta Polska“, 17. September 2015, online: niezalezna.pl/71015-czeka-nas-socjalny-dzihad-wielki-marsz-po-zasilki, Abrufdatum: 30. Dezember 2016].

Während der besonders gesteigerten Flüchtlingskrise (im Spätsommer und Frühherbst 2015) erschienen in den analysierten Medien Artikel, in denen ein Bild der Moslems/Migranten gezeichnet wurde, deren Reise nach Europa hochgradig motiviert sei durch das Streben nach dem Recht auf Sozialhilfe (vor allem in Deutschland). Dabei präsentierten einige Medien Berechnungen, in denen die Lage von Flüchtlingen, die Hilfe erhalten würden, verglichen wurde mit der Lage z. B. polnischer Arbeitsloser.

2. Die Metapher der sog. Ideologie der Multikulturalität

Beispiel:

„Wir nehmen auf unserem Boden Moslems auf, deren heutige Religiosität oft fanatisches Ausmaß annimmt, und ein großer Teil von ihnen macht, geleitet von seiner Tradition, gar keinen Hehl daraus, dass er sich nicht zu assimilieren gedenkt. Wir selbst aber sagen uns von unserer christlichen Abkunft los und tadeln diejenigen, die es wagen, sich auf sie zu berufen. Wir glauben an die multikulturelle Utopie, in der die Vertreter verschiedener Kulturen und Religionen symbiotisch miteinander existieren sollen. Die eigene Identität hingegen, deren unbestreitbarer Ursprung das Christentum ist, stellen wir beim Zusammenprall mit anderen Kulturen infrage, indem wir uns automatisch in eine ungleiche, schwächere Position begeben.“

[Marta Kaczyńska, Nasze bezpieczeństwo (Unsere Sicherheit), „wSieci” 2015, Nr. 47, S. 13].

Multikulturalität wird im Pressediskurs nicht präzise definiert, sie ist lediglich ein Schlagwort oder Slogan, ein Sammelbegriff zur Beschreibung einer Reihe von Phänomenen, die aus Sicht der Publizisten negativ sind. Dazu zählen u. a. terroristische Anschläge, wirkungslose oder misslungene Integrationspolitik, die Entstehung teilweise geschlossener, unsicherer Bezirke in Großstädten, tatsächliche oder imaginierte Abneigung gegenüber Christen und dem Christentum, der angebliche Verfall des Nationalstaates und nationaler Identitäten, die Schwächung der sog. traditionellen Familie und der christlichen Moral sowie die zunehmende Sichtbarkeit der moslemischen Religion. In diesem Diskurs wird Multikulturalität weniger zu einem Namen für ein konkretes Gesellschaftsmodell, z. B. des britischen, als vielmehr zu einem Synonym für den von konservativen Publizisten geweissagten „Untergang der westlichen Kultur“.

Polnische Autoren, die die sog. Multikulti-Ideologie in ihren Texten kritisieren, unterscheiden für gewöhnlich nicht zwischen unterschiedlichen Modellen zur Integration von Immigranten in verschiedenen Gesellschaften, z. B. in Frankreich, Deutschland oder Großbritannien. Dies liegt daran, dass ihre Polemik nicht den konkreten, in diesen Ländern eingeführten Lösungen gilt, sondern einem ideologischen Konzept, welches in ihren Augen mit der Linken und dem Liberalismus zusammenhängt. Daher sind rhetorische Angriffe gegen das Multikulti nicht ohne Grund ausschließlich in Veröffentlichungen solcher Autoren zu finden, die im weitesten Sinne dem Konservatismus zuzurechnen sind. Die im Diskurs über moslemische Flüchtlinge und Immigranten geübte Kritik an der Multikulturalität wird in ihnen zu einer Verteidigung des Konservatismus und der sog. traditionellen Werte.

[1]                 Landesstaatsanwaltschaft, Abteilung Ermittlungsverfahren, Auszug aus dem Bericht über Verfahren wegen Straftaten mit rassistischen, antisemitischen oder ausländerfeindlichen Motiven im 1. Halbjahr 2016, online (polnisch): pk.gov.pl/sprawozdania-i-statystyki/wyciag-ze-sprawozdania-dotyczacego-spraw-o-przestepstwa-z-nienawisci-i-2016.html#.WFJlRpIq5aU, Abrufdatum: 14. Dezember 2016.

[2]                Über die Lage der polnischen Moslems und der Moslems in der Republik Polen bei einem Treffen mit Adam Bodnar im Büro des Bürgerrechtsbeauftragten, online (polnisch): www.rpo.gov.pl/pl/content/o-sytuacji-polskich-muzulmanow-i-muzulmanow-w-rzeczypospolitej-na-spotkaniu-adama-bodnara, Abrufdatum: 3. Januar 2017.

[3]               Tadeusz Ciecierski, O myśleniu wiązkami [Über das Denken in Bündeln], „Kultura Liberalna“ Nr. 107, 18. Januar 2011, online: kulturaliberalna.pl/2011/01/18/ciecierski-wnuk-lipinski-miller-janke-iszkowski-wiazki-pakiety-polska-polityka/#1, Abrufdatum: 12. Januar 2017.

[4]               Vgl. Piotr Żmigrodzki u. a., Wielki Słownik Języka Polskiego [Großes Wörterbuch der polnischen Sprache], online: www.wsjp.pl, Abrufdatum: 12. Januar 2017.

Übersetzt von Hans Gregor Njemz.